Relevante Forschungsprojekte gesucht

Bonn, 22. Mai 2017. Der Mukoviszidose e.V. hat die Förderung neuer Projekte ausgeschrieben: Bis zum 16. Juli 2017 haben Forscher und Kliniker aus Arbeitsgruppen, die in Deutschland ansässig sind, die Gelegenheit, sich mit einem Kurzantrag für bis zu 200.000 Euro pro Einzelprojekt oder 20.000 Euro pro Kleinprojekt zu bewerben. Auch Nachwuchswissenschaftler im Bereich Mukoviszidose sind dazu aufgerufen, ihre Projektideen einzureichen. Generelle Voraussetzung für eine Förderung durch den Mukoviszidose e.V.: Die Forschungsprojekte müssen eine Relevanz für die Behandlung oder Erforschung der Mukoviszidose aufweisen. 

Ziel des Mukoviszidose e.V. ist es, die Lebensqualität und -erwartung bei Mukoviszidose immer weiter zu verbessern. Aus diesem Grund fördert der gemeinnützige Verein jährlich innovative Forschungsprojekte, die sich mit relevanten Fragestellungen im Bereich der Mukoviszidose beschäftigen. Insgesamt stehen jährlich 500.000 Euro für neue Forschungsprojekte zur Verfügung, die durch ein mehrstufiges Antragsverfahren ausgewählt werden. 

Allergische Reaktionen auf Antibiotika werden untersucht 

Eines dieser Forschungsvorhaben, das kürzlich bewilligt wurde, ist eine klinische, Studie zu allergischen Reaktionen auf Antibiotika. Viele Mukoviszidose-Betroffene erhalten aufgrund von Infektionen der Lunge häufig Antibiotika. Bei einem erheblichen Teil der Patienten werden Unverträglichkeitsreaktionen festgestellt, so dass die entsprechenden Wirkstoffe für die weitere Behandlung des Patienten oft nicht mehr verwendet werden können. Dies schränkt die Therapiemöglichkeiten bei der Behandlung von Infektionen in der Lunge ein und führt zu vermehrtem Einsatz von Reserveantibiotika. 

Dr. Jobst Röhmel, Mukoviszidosezentrum Charité Berlin, möchte nun in Kooperation mit Dr. Dean Naisbitt, Molecular and Clinical Pharmacology, University of Liverpool, herausfinden, wann es klinisch wirklich geboten ist, ein Antibiotikum nach einer Unverträglichkeitsreaktion zu meiden und wann ein Antibiotikum trotz einer früheren Unverträglichkeitsreaktion sicher weiter verabreicht werden kann. Geplant ist eine Studie mit 100 Mukoviszidose-Patienten aus Berlin und Umgebung, die ein Antibiotikum aufgrund einer früheren allergischen Reaktion derzeit nicht mehr verabreicht bekommen. Diesen Patienten soll unter sehr gut kontrollierten, stationären Bedingungen in der Klinik das zuletzt gemiedene Antibiotikum erneut verabreicht werden. 

„In dem Projekt geht es um ein klinisches Problem, das insbesondere bei erwachsenen CF-Patienten im Klinikalltag oft vorkommt und für Ärzte und Patienten regelmäßig zu einer enormen Verunsicherung bezüglich der weiteren Behandlung führt. Daher ist es wichtig herauszufinden, ob Antibiotika-Allergien sich bestätigen und den Ausschluss eines Medikaments rechtfertigen, oder ob eine wiederholte Verabreichung vielleicht doch möglich ist. Darüber hinaus wird die Analyse von Blutproben der Patienten helfen, die immunologischen Mechanismen der allergischen Reaktionen zu verstehen“, sagt Dr. Röhmel zu seinem Forschungsvorhaben. Denn dies könne die Therapie von Infektionen erheblich erleichtern und den Einsatz von Reserveantibiotika reduzieren. Der Mukoviszidose e.V. unterstützt die klinische Studie mit 95.000 Euro. 

Weitere Forschungsvorhaben, die im Jahr 2017 starten, beschäftigen sich mit dem Zusammenhang zwischen der familiären Situation und dem Krankheitsverlauf bei Mukoviszidose, der Elektrischen Impedanz Tomographie (EIT) als zusätzliches diagnostisches Mittel zur engmaschigen Kontrolle der Lungenfunktion oder der Entwicklung einer neuen inhalativen Therapieform zur Behandlung der entzündlichen Reaktion der Lunge bei Mukoviszidose. 

„Wir hoffen, dass wir mit diesen Forschungsprojekten die Therapie und die Lebensqualität von Menschen mit Mukoviszidose verbessern können“, sagt Dr. Miriam Schlangen, Leiterin des Mukoviszidose Instituts, das die Forschungsförderung des Mukoviszidose e.V. koordiniert.

Mehrstufiges Antragsverfahren bei Großprojekten

Bis zum 16. Juli 2017 können Anträge für die Forschungsförderung oder Nachwuchsförderung des Mukoviszidose e.V. eingereicht werden. Großprojekte, die mit bis zu 200.000 Euro pro Projekt gefördert werden, durchlaufen dabei ein mehrstufiges Verfahren: Die Forschungsgemeinschaft Mukoviszidose im Mukoviszidose e.V. begutachtet die eingereichte Projektskizze. Wenn ein Projekt vielversprechend ist, wird der Antragsteller anschließend darum gebeten, einen vollständigen Antrag einzureichen, der von internationalen Experten begutachtet wird. Bis zur Projektbewilligung kann bis zu einem Jahr vergehen. „Unsere Forschungsförderung wird von Spendengeldern finanziert“, erläutert Schlangen. „Daher legen wir besonderen Wert auf die Qualität der von uns bewilligten Forschungsprojekte.“ 

Alle Informationen zur Förderausschreibung 

Hintergrund-Informationen

Über Mukoviszidose
In Deutschland sind rund 8.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene von der unheilbaren Erbkrankheit Mukoviszidose betroffen. Durch eine Störung des Salz- und Wasserhaushalts im Körper bildet sich bei Mukoviszidose-Betroffenen ein zähflüssiges Sekret, das Organe wie die Lunge und die Bauchspeicheldrüse irreparabel schädigt. Jedes Jahr werden etwa 200 Kinder mit der seltenen Krankheit geboren.

Über den Mukoviszidose e.V.
Der Mukoviszidose e.V. vernetzt die Patienten, ihre Angehörigen, Ärzte, Therapeuten und Forscher. Er bündelt unterschiedliche Erfahrungen, Kompetenzen sowie Perspektiven mit dem Ziel, jedem Betroffenen ein möglichst selbstbestimmtes Leben mit Mukoviszidose ermöglichen zu können. Damit die gemeinsamen Aufgaben und Ziele erreicht werden, ist der gemeinnützige Verein auf die Unterstützung engagierter Spender und Förderer angewiesen. Die Mukoviszidose Institut gGmbH ist eine hundertprozentige Tochter des Mukoviszidose e.V. 

Pressekontakt:
Mukoviszidose e.V. 
Juliane Tiedt
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