Plenum I: Was ist neu im Bereich CF?
Ein besseres Verständnis des CFTR-Kanals bietet neue Ansatzpunkte für Therapien:
Die Regulierung von CFTR ist komplex: sehr viele verschiedene Enzyme, Kanäle und andere Faktoren spielen zusammen zum so genannten CFTR-Interaktom. In diesen verschiedenen Interaktionen in der Zelle gibt es verschiedenste Ansatzpunkte, um den CFTR-Defekt auszugleichen und damit für neue CF-Therapien. Hr. Kunzelmann aus Deutschland stellte die zurzeit viel versprechendsten Ansätze in seinem Vortrag in der Plenumssitzung I in Belek vor: Kinasen, z.B. die AMP-Kinase, die direkt in die Inhibierung bzw. Regulation des CFTR-Kanals involviert ist, regulatorische Substanzen wie CK2, das den CFTR-Kanal aktiv hält oder Aha1, ein Chaperon, das beim richtigen Zusammenbau des CFTR-Kanals behilflich ist. Auch andere Kanäle haben einen Einfluss auf den Salzhaushalt, der durch die richtige Regulation dieser Kanäle ggf. wiederhergestellt werden kann. Substanzen, die in die Regulation des Natriumkanals ENaC eingreifen, spielen z.B. ebenfalls eine große Rolle für den Salzhaushalt der Zellen. Schließlich nannte Hr. Kunzelmann Calcium-aktivierte Chloridkanäle, die als alternative Chloridkanäle ebenfalls ihren Beitrag zum Salzhaushalt leisten. Eine Substanz namens Bestrophin aktiviert diese alternativen Chloridkanäle und bietet sich als potentielles neues Therapeutikum zur Wiederherstellung des Salzhaushalts an. Inwieweit diese Substanzen aber tatsächlich zur Therapie geeignet sind, wird sich in weiteren Laboruntersuchungen und ggf. klinischen Studien erweisen müssen.
Erkenntnisse über die Entwicklung und Anpassung von Pseudomonas an die Lunge können bei der Suche nach neuen Antiinfektiva und bei der Einschätzung der Gefährlichkeit bestimmter Keime helfen
Die Infektion mit Pseudomonas aeruginosa ist bei Mukoviszidose immer noch ein bedeutender Faktor für den Krankheitsverlauf. Dieses Bakterium und seine Entwicklung in der Lunge besser zu verstehen, ist eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung neuer Antiinfektiva. Stephen Lory aus den USA stellte die Erkenntnisse zur Anpassung und Evolution von Pseudomonas aeruginosa als Pathogen in der CF-Lunge vor. Man weiß inzwischen, dass das Genom (Gesamtheit des Erbguts) dieser Bakterien ca. 5000 Kerngene enthält, die sich im Vergleich der Pseudomonaden untereinander sehr ähneln. Zusätzlich gibt es aber auch noch etwa 2300 variable Gene, die wesentlich zur Gefährlichkeit der Bakterien beitragen. Diese variablen Gene können sich nämlich viel schneller verändern als die Kerngene und die Bakterien sind sogar in der Lage diese variablen Gene untereinander auszutauschen. Durch die schnelle Veränderbarkeit sind die Bakterien besser in der Lage sich an neue Situationen anzupassen. Bei den variablen Genen handelt es sich häufig um Antibiotikaresistenzen oder spezielle Gene, die für die Anpassung an die Lunge wichtig sind. Durch die Kenntnis dieser variablen Genregionen könnte man zukünftig möglicherweise viel über die Gefährlichkeit der jeweils isolierten Keime aussagen und eine Prognose zum Krankheitsverlauf aus diesen Daten treffen.
Möglichkeiten der modernen CF-Versorgung nutzen!
Hr. Kerem aus Israel behandelte in seinem Vortrag die Möglichkeiten der modernen CF-Versorgung. Daten aus verschiedenen Registern zeigen, dass die häufige Untersuchung eine sehr wichtige Maßnahme zur erfolgreichen Bekämpfung der Lungenkrankheit bei CF darstellt. Kerem schlug eine regelmäßige, am besten monatliche, Untersuchung vor, bei dem bestimmte Routinetests durchgeführt werden sollen, um Veränderungen der Lunge möglichst frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Wichtig sei, auf diese ersten Veränderungen sofort zu reagieren und die vorhandenen Therapieoptionen zu nutzen. Kerem betonte die Pfeiler der CF-Therapie, die in dem europäischen Konsens zu den Standardmethoden der CF-Behandlung festgehalten wurden: die frühe Diagnose, eine früh einsetzende Therapie durch Nahrungsergänzung, Physiotherapie, antimikrobielle und antiinflammatorische Medikamente, die Behandlung von akuten Exazerbationen und die Etablierung von Hygienemaßnahmen.


