Berufsweg Steuerfachgehilfe
Gerne gebe ich meine Erfahrungen im Bereich Ausbildung und Berufsleben weiter. Zur Ausbildung ist nicht allzuviel zu sagen, da diese schon 25 Jahre zurückliegt und damals zum einen CF bei weitem noch nicht so bekannt in der Bevölkerung war wie heute und es mir damals gesundheitlich sehr gut ging, so dass mit Einschränkungen während der Ausbildung zunächst nicht zu rechnen war. Ich habe damals im Vorfeld die Behindertenberufsberatung des damaligen Arbeitsamtes in Solingen in Anspruch genommen. Dort wurde zunächst ein Eignungstest durchgeführt, da ich in dieser Zeit noch nicht so recht wußte, in welche berufl. Richtung mein persönlicher Weg gehen sollte. Als dies dann soweit klar war bekam ich vom Arbeitsamt entsprechende Ausbildungsplatzangebote zugeteilt. Bei diesen AG (vornehmlich
Steuerberatungsbüros) habe ich mich dann beworben und recht schnell eine Ausbildungsplatzzusage und einen unterschriftsreifen Vertrag angeboten. Nebenher hatte ich mich auch selber um Ausbildungsplätze beworben. Auch nach meiner Ausbildung war in all den Jahren, in denen ich berufstätig war (insgesamt 19 Jahre incl. Ausbildung) die Krankheit bei Einstellungsgesprächen nie ein Hindernisgrund für die jeweiligen AG gewesen. Die ersten Schwierigkeiten tauchten auf, als ich im Jahr 1994 eine 6 wöchige Reha auf Borkum durchlief. Da es mir auch damals noch sehr gut ging sah mein AG, den ich bereits aus der Ausbildungszeit kannte nicht so ganz ein, das ich eine solche Reha benötigte. Er stellte mich fast als Simulant hin und so habe ich mich dann ein paar Monate nach der Reha nach 5 jährigem, bis dahin gutem Verhältnis zwischen uns beiden von ihm getrennt. Meinen letzen AG lernte ich dann im März 1995 bei einem Vorstellungsgespräch (auch
Steuerberater) kennen. Auch damals mußte ich nur kurz erläutern, wobei es sich bei CF als Krankheit handelt. Da ich bis dato kam pulmonale Probleme hatte, und diese eigentlich auch in den nächsten Jahren - so war ich überzeugt - nicht eintreten würden, bekam ich den Zuschlag für diese Stelle. Ich wurde damals übrigens einer Mitbewerberin vorgezogen, die kurz vor ihrer Heirat stand. Ich hatte "das Glück" nicht schwanger werden zu können. Dies ist an und für sich kein Makel (das schwanger werden), aber das Büro in welchem ich dann zum 1.5.1995 die Stelle antrat war ein 2 Mann-Betrieb, also mein Chef und ich, so wäre der Ausfall mit Schwangerschaftsvertretung etc. schon sehr schwierig gewesen.
Im Nachhinein stellte sich die Annahme dieses Jobs als Glückfall bezw. als Geschenk Gottes für uns als Familie dar. Im Jahr 1997 begannen dann nämlich pulmonale Probleme, so dass ich im Mai 1998 nur noch halbtags, und ab Dezember 2000 nur noch als Aushilfe arbeiten konnte (EU-Rente). In all den Jahren seit 1997, in den auch die Krankenhausaufenthalte wegen geplanter und ungeplanter I.V.-Therapien immer häufiger wurden und ich bedingt durch meinen Entschluß zur Transplantation noch mal zusätzlich 2-3 mal im Jahr eine Woche zum jeweiligen TX-Assessment nach Berlin fliegen mußte, hat mein letzter AG nie Druck auf mich ausgeübt oder mir zu verstehen gegeben, dass ich lästig würde. Nun kamen immer wieder längere Zeiten auf ihn zu, in denen er meine Arbeit mit übernehmen mußte. Auch die Teil- und Vollberentung haben wir gemeinsam diskutiert und uns Zeit mit den Entscheidung dafür als Familie und auch als"Bürogemeinschaft" genommen. Ich habe meinem AG also wirklich sehr viel zu verdanken und bin mir bewußt, dass dies im positiven Sinne, kein Normalfall ist. Nach meiner TX in 2004 habe ich im Februar 2005 wieder einen Job als Aushilfe beim meinem AG erhalten. Er hat sich wärmend meines Aufenthaltes in Berlin vor- und nach der TX und in der nachfolgenden Zeit zuhause immer wieder nach meinem gesundheitlichen Befinden erkundigt. In den letzen Jahren hat er dann natürlich sein Personal wieder aufgestockt - auf nunmehr 1,5 Mitarbeiterinnen. Ich wurde sogar vor und nach der TX zu den jährlich stattfindenden Weihnachtsfeiern mit Besuch in einem Restaurant eingeladen. Also - ein wirkliches Gottesgeschenk. Hätte ich im Jahr 1995 den Arbeitsplatzwechsel nicht vollzogen, so wäre ich frühzeitig von meinem vorletzten AG hinausgemoppt worden. Diese schlechten Erfahrung mußte ich - Gott sei dank - nicht machen.
Leider ist mein Chef im letzen Jahr nach kurzer, schwerer Krankheit verstorben. Ein befreundeter Steuerberater hatte dann zunächst die Vertretung der Praxis übernommen und die Praxis dann zum 1.1.06 gekauft. Ich hatte während dieser Übergangsphase erwogen wieder halbtags zu arbeiten. Der Praxisnachfolger hätte mir auch diese Chance gegeben und das ihm bekannte Risiko in Kauf genommen. Leider scheiterte diese Initiative an der Gesetzgebung. Die EU-Rente wäre soweit gekürzt worden, dass das mtl.. Nettoeinkommen nicht höher gewesen wäre als es zur Zeit mit dem Bezug der vollen EU-Rente und dem Hinzuverdienst der möglichen 350 ? mtl. als steuerfreies Aushilfsentgelt ist. Dies bedaure ich sehr, da ich gerne wieder halbtags tätig sein würde.
Es ist noch wichtig zu erwähnen, dass ich in jedem Vorstellungsgespräch offen meine Behinderung (sprich vorliegen eines Schwerbehindertenausweises
etc.) angesprochen habe. Außerdem habe ich immer offengelegt, dass ich eine "Gesundheitsgarantie" in Form einer Prognose für die kommenden Jahre nicht geben kann.
Herzliche Grüße
Holger


