Ausbildung in einem Christlichen Jugenddorfwerk (CJD) in Dortmund

Mein Weg der Ausbildungsplatzsuche führte einzig und allein über das Arbeitsamt (heute „Agentur für Arbeit“). Im Alter von 20 Jahren, ich absolvierte gerade noch die 12. Klasse der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Dortmund, musste ich wegen der vielen Fehlstunden den Versuch des Abiturs abbrechen, und ich versuchte, mir Rat beim Arbeitsamt zu holen.
Ich wusste nicht, dass ich beim Arbeitsamt von vornherein meine Schwerbehinderung angeben musste, und daher landete ich bei einem Berufsberater für Abgänger mit Hochschulreife. Dieser Berufsberater war im ersten Moment mit der Tatsache, dass ich CF habe und schwerbehindert bin, deutlich überfordert. Aber er nahm die Herausforderung an, und wir versuchten gemeinsam einen Weg zu finden.
Nachdem ich einen Eignungstest sowie eine psychologische Begutachtung durch das Arbeitsamt absolviert hatte, kam für mich unter Berücksichtigung der Tatsache meiner CF nur der Beruf der „Bürokauffrau“ (heute meist „Kauffrau für Bürokommunikation“) in Frage. Also erhielt ich von meinem Berufsberater eine Liste mit offenen Ausbildungsstellen, auf die ich mich bewerben sollte. Ich wurde zwar grundsätzlich zu den Eignungstests eingeladen, aber da ich in meinen Bewerbungsunterlagen immer die Schwerbehinderung angegeben hatte, blieb es auch dabei. In allen Ablehnungen stand die Begründung, dass ich für die Stelle nicht geeignet sei.
Also blieb mir nichts anderes übrig, als mich wieder in die Hände des Arbeitsamtes zu begeben. Mein Berufsberater erklärte mir, dass ich „förderungswürdig“ sei; das bedeutet, dass das Arbeitsamt mir meine Ausbildung finanziert. Das Ganze passiert im Rahmen der „Förderung der Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben“. Der Berufsberater erklärte mir, wie so etwas funktioniert, und er stellte den Kontakt zum Christlichen Jugenddorfwerk (CJD) in Dortmund her.
Im CJD hatte ich dann einen Vorstellungstermin. Der Chef der Verwaltung konnte mit der Erkrankung CF schon etwas anfangen. Keine Woche später habe ich meinen Ausbildungsvertrag unterschrieben. Das Arbeitsamt wiederum hat mit dem CJD vertraglich eine Vergütung der Ausbildung vereinbart. Das Konzept des CJD sieht vor, Jugendlichen und Erwachsenen, die auf dem „normalen“ Arbeitsmarkt keinen Ausbildungsplatz bekommen, durch finanzielle Unterstützung einen Ausbildungsplatz anzubieten, wobei behinderte Menschen bevorzugt werden.
Weil in Dortmund wohnte, musste ich nicht in dem zum CJD gehörenden Internat untergebracht werden. Während der gesamten Ausbildungszeit war ich in guter Betreuung. Mir zur Seite standen ein Ausbilder sowie eine Sozialpädagogin. Nach einem Jahr Ausbildung wurde mir das Angebot unterbreitet, wegen der vielen Fehlzeiten die Zahl meiner Wochen-Arbeitsstunden von 40 auf 30 zu reduzieren. Dafür musste ich nur ein ärztliches Attest und eine Begründung an die IHK schicken, damit meine Ausbildungszeit von drei Jahren auf dreieinhalb erhöht wurde. Diese Verlängerung um ein halbes Jahr war deshalb notwendig, um am Ende auf die vorgeschriebene Gesamtzeit zu kommen. Mein Ausbilder hat mir Nachhilfe gegeben, damit ich das Versäumte aus der Berufsschule nachholen konnte. Trotz der vielen Fehlzeiten habe ich meine Ausbildung nach 3 ½ Jahren abschließen können.
Das CJD Dortmund lag, obwohl ich selbst in Dortmund wohnte, rund 20 Kilometer von meiner Wohnung entfernt. Die tägliche Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln hätte drei Stunden (Hin- und Rückfahrt) gedauert. In Absprache mit meinem Ambulanzarzt und dem Arbeitsamt habe ich dann einen Antrag auf KFZ-Hilfe (nach der „Verordnung über Kraftfahrzeughilfe zur beruflichen Rehabilitation [Kraftfahrzeughilfe-Verordnung – KfzHV]“) beim Arbeitsamt gestellt, damit ich die Ausbildung überhaupt beginnen konnte. Ich musste ärztliche Atteste vorbringen, warum es mir nicht zumutbar ist, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit zu fahren. Dieser Antrag wurde bewilligt, und so hatte ich pünktlich zum Ausbildungsbeginn mein erstes eigenes Auto.
Fazit:
Heute bin ich 29 Jahre alt, und obwohl ich eigentlich studieren wollte, bin ich doch sehr froh, diesen Weg gegangen zu sein. Ich habe eine abgeschlossene Ausbildung und hatte danach noch drei Jahre die Möglichkeit, arbeiten zu gehen, bevor ich wegen meiner CF die Rente beantragen musste. Wäre ich studieren gegangen, wer weiß, wie das geendet hätte?
Sibylle Felt
August 2006


