Jeder, der kann, ab in das wirkliche Leben!!!
Ich heiße Steffen Ohler und bin 26 Jahre alt und habe Mukoviszidose. Was die Berufswahl angeht, denke ich sollte man nicht nur nach den Mukoviszidose-Standard-Berufen greifen. Damit mein ich den Beruf des Bürokaufmann/frau etc.
Natürlich muss man bei manchen Berufen die körperliche und gesundheitliche Belastung mit einbeziehen, jedoch ohne Spaß und Erfolgserlebnisse im Beruf kann man kein Glück in der Arbeit finden.
Meine persönlichen Erfahrungen damit sind folgende:
Nach der Realschule ging ich wie alle braven Schüler zur Berufsberatung (wurde auch extra eine "Expertin" in Sachen Mukoviszidose angefordert). Dort wurde mir von dieser "fähigen Person" nahe gelegt, eine Ausbildung im Steuerfach zu beginnen, da dort eine möglichst lange Beschäftigung möglich wär. Im Zeitraum meiner Ausbildung hatte ich ein "paar" Ausfälle und konnte bzw. wollte mich auch nicht wirklich aufraffen - da mir dieser Job keine wirklich große Freude bereitet hat. Nach Rückstufung und längerem Kuraufenthalt brach ich die Lehre ab!
Danach absolvierte ich ein Freiwilliges Soziales Jahr im CJD und im Anschluss eine 3jährige Ausbildung zum Jugend- und Heimerzieher! Bin jetzt seit einem Jahr in einer weiteren Einrichtung des Cjd in einer Außenwohngruppe beschäftigt und genieße Verantwortung und das Arbeitsleben.
In diesem gesamten Zeitraum von 4 Jahren hatte ich von den Therapie-Zeiten ausgenommen und einem Aufenthalt zwecks Masern (wünsch ich keinem als Erwachsener), wenn meine Hochrechnung stimmt, vielleicht 2 Wochen eine Bescheinigung zur Arbeitsunfähigkeit. Natürlich spielt dabei Glück auch eine Rolle, jedoch ist meiner Meinung ein Job, der einen mental auf der Höhe hält und stärkt, mehr als förderlich für die Gesundheit!!!!
Auch bin ich im Zuge meiner Ausbildung (350 km von meiner Heimatstadt Esslingen am Neckar) ausgezogen. Und der Schritt in ein eigenständiges Leben war mehr als befreiend und wichtig für meine Persönlichkeit und Entwicklung! Ich für meinen Teil meine, dass dieser Schritt zum Leben dazu gehört, und nur weil ich an Mukoviszidose erkrankt bin, habe ich doch ein Anrecht und die Pflicht, das Leben mit seinen ganzen Schikanen zu genießen :-) !
Fazit: Für meinen Geschmack ist der Beginn einer Ausbildung und der Auszug von "Mutti" mehr als vertretbar!!! Zumindestens sollte der Versuch gewagt werden!! Bei manchen lässt das Krankheitsbild dies nicht zu - jedoch meine ich, dass genau diese Gruppe es jederzeit gerne wagen würde! Daher - jeder, der kann, ab in das wirkliche Leben!!!
Steffen Ohler


